Thailand: Eukalyptusplantagen von Advance Agro zerstören die  Lebensgrundlagen der lokalen Bevölkerung

 

Ökologische Wüste - Eukalyptusplantagen von Advance Agro in Thailand, Foto: Timo Kuronen

Der Zellstoff-  und Papierkonzern Advance Agro wurde 1987 von dem Unternehmen Kaset Rung Ruang in Thailand gegründet und bezieht seinen Rohstoff aus Eukalyptusplantagen. Sie umfassen 32.000 Hektar eigene Flächen und 50.000 Hektar von Kleinbauern, die unter Vertrag stehen. 1996 eröffnete das Unternehmen die erste Zellstoff- und Papier-Fabrik in der Provinz Prachinburi (150 km entfernt von Bangkok). Inzwischen produziert das Werk 457.000 Tonnen Zellstoff und 500.000 Tonnen Papier. Als Rohstoff kommt als Kurzfaserzellstoff Eukalyptus aus den eigenen Plantagen und importierter Langfaserzellstoff zum Einsatz. Im Labor und den Gewächshäusern von AA werden schnell wachsende Bäume geklont.

Für die lokale Bevölkerung sind die Industrieplantagen mit schwerwiegenden sozialen und ökologischen Auswirkungen verbunden. Nachdem die Dorfbewohner von Laemkowchan einen Teil ihres Landes für Eukalyptus-Monokulturen an das Unternehmen verkauften, wurde der Reisanbau auf den benachbarten Flächen beeinträchtigt, da die Plantagen zur Austrocknung der Böden führten. Ein Teil der Bauern verkaufte daraufhin auch das restliche Land und wanderte ab, andere schlossen Verträge, um ebenfalls Eukalyptus zu pflanzen. Nach der ersten Eukalyptusgeneration müssen sie allerdings teure Maschinen mieten, um Baumstümpfe und Wurzeln zu entfernen. Meist haben sie dazu kein Geld, verschulden sich und verlieren so ihr Land an die Banken. Andere Bauern berichten, dass Abwasser aus der Zellstoffproduktion die Reisfelder verschmutzt. Außerdem lagert sich Staub aus den Werkschornsteinen auf den nahegelegenen Häusern und Gärten ab, die Anwohner leiden unter der erheblichen Geruchsbelästigung durch die Fabrik und manche Dorfbewohner haben Hautprobleme. Als Reaktion hat der Konzern Umweltstandards festgelegt, die Dorfbewohner haben aber nie eine Entschädigung für die Beeinträchtigungen erhalten.

Die Zellstoff- und Papierindustrie in Thailand ist mit internationaler finanzieller Hilfe aufgebaut worden. Auch AA erhält von mehreren Seiten finanzielle Unterstützung, um die Exporte des Landes zu steigern. Um die Kredite zu tilgen, will AA die Produktion steigern. Aber das  Management von AA steht auch in enger Verbindung mit der thailändischen politischen Elite. Der Ausbau der Papierfabriken und die Expansion der Plantagenflächen wird durch Steuererleichterungen von Regierungsseite unterstützt. Staatliche Sicherheitskräfte und thailändisches Militär schlagen die Proteste der lokalen Bevölkerung gegen die Aneignung ihres Landes und der Zerstörung der Natur- und Kulturlandschaft nieder. Die Exporte von AA gehen nach Europa, Asien, USA, Afrika und Länder des Mittleren Ostens. Etwa 70 % der Firmenproduktion wird in Asien und Nordamerika verkauft. Außerdem hat AA ein Büro in Rotterdam gegründet um Papier in Europa zu verkaufen.

AA wirbt damit, dass Papier der Marke „Envirocopy Premium“ chlorfrei sei, kein Holz aus Regenwäldern verwendet werde und das Werk nur wenig Wasser verbrauchen würde. Weiterhin wird betont, dass die Plantagen auf  degradierten Flächen entstanden seien, die keinen Wert für andere Nutzungen mehr hätten. Das Kopierpapier „Speed Copy“ wird als „environmentally certified paper“ deklariert, da der Rohstoff aus Plantagen stammt.

AA will weiter expandieren. In einem Joint Venture mit chinesischen Partnern soll in großem Stil „Wiederaufforstung“ von angeblich degradiertem Land betrieben werden. Umweltorganisationen protestieren gegen die Ausdehnung der Plantagen, da sie ökologische Probleme verursachen und das Land für die landwirtschaftliche Nutzung gebraucht würde. Nach ihren Erkenntnissen stellen die Landflächen, die in Monokulturen umgewandelt werden sollen, die Lebensgrundlagen der Kleinbauern dar. Grundsätzlich fehlen unabhängige Untersuchungen über die ökologischen und sozialen Auswirkungen der industriellen Eingriffe von AA in Thailand. Solange der Konzern die bisher verursachten Probleme nicht löst und stattdessen auf Kosten der Bevölkerung expandiert, sollten Handel und Verbraucher auf Produkte von AA meiden.

Kirsten Gurung

Mehr Informationen:
http://chrislang.blogspot.com/2003_05_10_chrislang_archive.html

http://www.wrm.org.uy/countries/Asia/Thailand3.html

Foto: Timo Kuronen